Weihnachten al dente

Klirrende Kälte peitschte uns entgegen, als wir das abilex Büro verließen. Mit einer unbekannten Adresse ausgerüstet, machten wir uns auf den Weg in Richtung der Innenstadt. Nach kurzer Zeit hatten wir unseren Zielort erreicht. Wir standen vor einem beeindruckenden alten Gebäude, welches laut André in früheren Zeiten den Baden-Württembergischen Landtag beheimatet hatte. Vor dem Eingang flackerten Ölfackeln im kalten Wind. Zwei Fahnen mit verschnörkelter Schrift „San Pietro“ prangten links und rechts vom Haupteingang.

Kaum hatten wir die Lokalität betreten, konnten wir die angenehmen Düfte wahrnehmen, die den Raum erfüllten. Eine leckere Mischung aus exotischen Gewürzen, gegrilltem Fisch und frischem Gemüse. Am Ende des Raumes befand sich der Eingang zu einer große offenen Küche, vor welcher sich auf einem Tisch jede Menge weißer Kochschürzen auftürmten. In diesem Moment wussten wir, was uns an diesem Abend erwarten würde.

Das  „San Pietro“ besitzt ein ebenso eigenwilliges, wie in Deutschland einzigartiges Konzept: Unter einem Dach befinden sich die Kochschule des international renommierten Starkochs Sante de Santis, eine typisch italienische Tagesbar und ein kleines Ristorante mit original italienischer Küche.

Sante de Santis ist ein italienisches Multitalent. Und zwischen frischem Fisch und Pasta fühlt er sich am wohlsten. Schon seit der Jahrtausendwende bietet der engagierte Italiener unterhaltsame und ausgefallene Kochkurse für verschiedene Gruppen an. Zumindest dann, wenn er nicht gerade im Fernsehen kocht oder Bücher über sizilianische Küche schreibt. An diesem Abend sollten wir nun alle lernen, wie man so richtig italienisch kocht. Nach einem Aperitif wurden uns die Küchenregeln erläutert und ehe wir uns versahen, standen wir mit unseren Weingläsern und Messern bewaffnet an der Arbeitsplatte und begannen zu schneiden, zu hacken und zu filetieren.

Während sich Jochen intensiv damit beschäftigte, den großen exotischen Fisch sorgsam zu zerlegen, machten sich Doreen und Wolfgang daran, die Orangen für das Dessert zu zerstückeln. In der Zwischenzeit hatte sich Carlos an den Flügel gesetzt, welcher elegant die Schulküche von dem Rest des Restaurants trennte, und verwöhnte uns mit entspannten Klängen.

40 Orangen, 80 Tomaten und 10 Fische später, lag die gröbste Arbeit hinter uns. Während Sante noch unsere Vorspeise verfeinerte und das Chili-Nelken-Tomatenragout abschmeckte, nahmen wir Platz und konnten es kaum erwarten, unser Essen serviert zu bekommen. Bei ein paar Flaschen italienischem Wein ließen wir dann alle den Abend gemütlich ausklingen und fragten uns, welche Überraschung wohl in 12 Monaten auf uns warten würde.