Fünf gewinnt

Mit hochrotem Kopf liegt Sebastian in der Wiese. Sein Atem geht schwer und unregelmäßig. „Ich bin an meine Grenze gegangen“, keucht er. Gerade eben ist der 28-Jährige zwei Kilometer geschwommen – auf Geschwindigkeit. Unweit von ihm liegen viele weitere Sportler im Gras und versuchen wieder zu Atem zu kommen. Sie haben ihren Teil der Arbeit geleistet, nun sind die Mitstreiter gefragt.

Per Handschlag haben sie diese auf die nächste Strecke geschickt. Denn beim Highlander am Illmensee treten die Sportler überwiegend in Gruppen an. Zwei Kilometer Schwimmen, zehn Kilometer Inline-Skaten, 60 Kilometer Rennradfahren, 20 Kilometer Moutainbiken und zehn Kilometer Laufen gilt es zu bewältigen.

Um sich die Strecke schon mal anzusehen, ist Sebastian schon am Abend zuvor angereist–gemeinsam mit seinen Arbeitskollegen. „Unsere Firma nimmt einmal im Jahr an so einer Veranstaltung teil“, erzählt er. In diesem Jahr sind 20  Mitarbeiter mitgekommen. „Teamfindung“, nennt Sebastian das. Und die wird im Stuttgarter Beratungsunternehmen abilex augenscheinlich ernst genommen. Monatelang hat sich Sebastian auf den Wettkampf vorbereitet.

Jede Woche war er im Schwimmbad „Auch wenn es nicht ums Gewinnen geht, will man doch alles geben können“, sagt er. Etwa eine Stunde hatte der Unternehmensberater für die zwei Kilometer eingeplant. Am Ende erreichte er das Ufer schon nach 50 Minuten. „Meine persönliche Bestleistung“, meint er mit einem Lächeln. „Aber ehrlich gesagt, bin ich davor auch noch nie die volle Distanz geschwommen“, gibt er zu und zuckt mit den Schultern. Egal, er ist zufrieden mit der Zeit und stolz, es geschafft zu haben: „Mein Team-T-Shirt mit der Aufschrift „Leistungsstark“ habe ich mir auf jeden Fall verdient.“

Seit früh morgens läuft der Wettbewerb, erst am späten Nachmittag werden die letzten Starter das Ziel erreichen. Besonders hektisch geht es in der Wechselzone zu: So schnell wie möglich übergeben die eintreffenden Sportler ihre Startnummern, klatschen ab, ein paar motivierende Worte und schon startet - begleitet vom Applaus der Zuschauer - der nächste Sportler.

Acht Stunden später: Gespannt warten die Arbeitskollegen beim Zieleinlauf. Es ist mittlerweile 16 Uhr und der letzte des abilex-Teams ist gerade auf der Laufstrecke. Jeden Moment müsste laut Sebastians Prognose Kollege Pascal um die Kurve biegen. Als dessen schwarzes T-Shirt sichtbar wird, hält es den 28-Jährigen und seine Kollegen nicht mehr hinter der Absperrung: Sie stürzen auf die Bahn und gemeinsam, Hand in Hand, überqueren die Fünf die Ziellinie.

Die Zeit ist bei diesem Wettbewerb nicht entscheidend. Ob Erster oder Letzter, jeder bekommt das gleiche: Eine Sieger-Medaille und ein T-Shirt – und „die Gewissheit, gemeinsam etwas geleistet zu haben“, wie Sebastian bemerkt.

Doch damit ist die Veranstaltung noch nicht vorüber. Die anderen beiden abilex Gruppen haben längere Strecken gewählt und sind noch unterwegs. Auch sie werden bis zum Schluss angefeuert und am Ziel jubelnd empfangen. „Es ist mehr als ein bloßer Sportevent“, stellt Sebastian fest. „Man lernt so die Kollegen ganz anders kennen.“ Das wirke sich positiv auf die Arbeit aus. Der Umgang sei anders, und so falle es zum Beispiel auch deutlich leichter, Kritik zu üben.

Ähnlich sieht das auch sein Kollege Urban „abilex hat 2004 mit einer Person angefangen und wächst seitdem ständig. Da ist es wichtig, dass sich jeder einzelne Mitarbeiter mit der Firma identifiziert“, betont er. Das gemeinsame, sportliche Erleben, schweiße zusammen. „Viel mehr, als wenn man nur nach der Arbeit ab und zu was trinken geht“, meint Urban. Außerdem müsse man sich hier, wie auch im Job, den Erfolg erarbeiten. Doch der Sport ist an diesem Wochenende nicht das Einzige, was zählt: „Abends grillen wir noch zusammen – da kann man den Tag dann gemeinsam Revue passieren lassen“, erklärt Sebastian. Im nächsten Jahr wollen sie alle wieder mitmachen. Sebastian sucht eine neue Herausforderung: „Wer weiß? Vielleicht schwimm’ ich dann zum ersten Mal die Drei-Kilometer-Strecke. Das wäre dann sicherlich meine nächste persönliche Bestleistung.“