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Digitalisierung im Mittelstand

„Die Unternehmer sehen die Potenziale, die mit der Digitalisierung einhergehen, für viele sind sie aber noch Zukunftsmusik“. Mit diese Worten führt Markus Beumer, Vorstand der Commerzbank AG, treffend in die aktuelle Studie seines Instituts ein. Gemeinsam mit BCG Digital Ventures wurden 4000 Führungskräfte des deutschen Mittelstands befragt. Die Ergebnisse der Studie lassen aufhorchen.   

 

Die Herausforderungen des Marktes

Von 26 % der Befragten die Digitale Entwicklung als Bedrohung etablierter Geschäftsmodelle erkannt. Grund dafür sind die Entwicklungen und der zunehmende Druck in den angestammten Märkten. (starke Verdrängung, ausgereifte Produkte und kürzere Produktzyklen). Folgerichtig stehen auf der Herausforderungsagenda der kommenden fünf Jahre neben Kosten- und Effizienzsteigerung vor allem die Innovations&Expansionsthemen, konkret die Entwicklung von Produkt- und Dienstleistungsinnovationen und neuen Vertriebswegen. Digitale Technologien werden auf dem Weg, diese Herausforderungen anzugehen, eine Schlüsselrolle einnehmen. Das wissen die Unternehmen, sollte man zumindest annehmen, wenn 86 % der Befragten Unternehmer in der Digitalisierung eine große Chance für den Standort Deutschland aber auch für Ihre Unternehmen sehen. Was verwundert, ist dann aber, dass knapp zwei Drittel der Manager einräumen, dass der Digitale Wandel vom Mittelstand bislang eher vernachlässigt wird. 

 

Digitale Innovatoren gehen voran

Dabei gibt es durchaus positive Beispiele, die in der Studie aufgezeigt werden. Ca. 15 % der mittelständischen Unternehmen, die in der Studie als Digitale Innovatoren bezeichnet werden, ziehen bereits heute einen starken Nutzen aus der Digitalisierung. Die häufigsten Anwendungsbereiche digitaler Technologien sind demnach die administrative Optimierung, neue Produktionsformen (Industrie 4.0), die Vernetzung der Wertschöpfungskette und die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle.

Die Vorteile sind also evident und man fragt sich, weshalb nicht weit mehr als die genannten 15% des Mittelstands heute schon von den digitalen Möglichkeiten profitiert. Vor diesem Hintergrund kommentiert Dr. Groß-Selbeck von BCG prägnant, dass der erste Schritt, um zu den Gewinnern der digitalen Revolution zu gehören, die Beschäftigung mit den neuen Möglichkeiten sei. 

 

Digitalisierung ist Chefsache

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Zwar beschäftigen sich Unternehmen wie auch die Studie zeigt, durchaus mit der Digitalisierungsthematik, aber noch zu selten auf der strategischen, unternehmerischen Ebene. Darauf weist auch Dr. Meffert von McKinsey hin, indem er ausführt: „Das Management muss dieses Thema mit höchster Priorität verfolgen. Es geht hier letztlich nicht nur um Technologie sondern um den Wandel in unseren Köpfen“.

Digitalisierung ist also als eine unternehmerische Aufgabe zu verstehen, die man nicht delegieren kann. Operative Flickschusterei nach dem Motto „Dann machen wir eben einen Online-Shop“ hat sich schon öfter als kontraproduktiv herausgestellt. 

 

Strategy matters

Es Bedarf schon etwas Mut (und die entsprechende Methodik), um das existierende Geschäftsmodell zu hinterfragen und die aus der Digitalisierung resultierenden Chancen zu erkennen. Und es braucht in der Folge eine Strategie, um die digitale Umsetzung und die damit einhergehenden Veränderungen erfolgreich zu gestalten. Unternehmen die eine digitale Strategie verfolgen, wissen was sie tun. Sie beschäftigen sich mit den richtigen Dingen in der richtigen Reihenfolge. Sie sind in der Lage, Chancen und Risiken einzuschätzen, können fundierte Entscheidungen treffen, sie kennen ihre KPIs, um den Erfolg zu messen und sich darüber kontinuierlich zu verbessern und weiterzuentwickeln.

Um auf den Ausgangspunkt dieses Beitrags zurückzukommen, muss man erkennen, dass die Zukunft im digitalen Zeitalter schneller kommt als man denkt. Und daher empfiehlt es sich, gerade für mittelständische Unternehmen und Unternehmer,sich schnell, ernsthaft und chancenorientiert mit den Möglichkeiten und Auswirkungen der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Denn Digitalisierung ist eben nicht einfach nur ein neues von Beratern und der IT-Industrie geborenes Schlagwort. Digitalisierung hat das Potenzial die nächste revolutionäre Veränderung unseres Wirtschaftssystems zu bewirken und dieses Momentum gilt es zu nutzen.

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